Die Landschaft der Probstei mit ihren 20 Bauerndörfern gehörte einst zur Grundherrschaft des Preetzer Klosters. Die Geschichte der Landschaft ist eng verbunden mit der Geschichte Ostholsteins im Zusammenhang mit der deutschen Ostkolonisation.
Vor allem die "Große Völkerwanderung", ausgelöst im Jahre 375 n. Chr. durch den Hunneneinfall in Europa, entvölkert auch Ostholstein. Von Lübek bis zur Schlei hat sich in dieser siedlungsarmen Zeit der größte Teil dieses Landes mit dichtem Wald bedeckt, mit dem "Isarnho", dem "Eisernen Holz". In die waldarmen Gebiete dringen nach und nach, über Jahrhunderte hin, von Norden die Dänen ein, von Südosten die Slawen.

 

belehnt Herzog Lothar von Supplinburg den Schauenburger Adolf aus dem Weserbergland mit den Grafschaften Holstein und Stormarn. Die Grenzkämpfe gegen Dänen und Slawen sowie die Erwerbung Wagriens im Jahre 1143 durch Adolf II., nehmen im 13. Jahrhundert die ganze Kraft der Schauenburger in Anspruch. Adolf II. fällt 1164 in einem Slawenkrieg. Sein Sohn Adolf III., noch jung an Jahren büßt anfangs seine holsteinischen Lande ein, gewinnt die nordelbischen Grafschaften zurück, verliert sie aber aufs neue nach einem unglücklichen Krieg gegen Dänemark. Graf Adolf III. muß 1203, um aus langer Gefangenschaft freizukommen, auf das Land zugunsten des Dänenkönigs Waldemar II. verzichten. 1202 setzt König Waldemar II. seinen Neffen Alber von Orlamünde als Grafen von Holstein und Wagrien ein. Als Landesherr gründet Graf Albert 1211 das Benidiktinerinnen-Kloster in Preetz.

entsteht die erste schriftliche Kunde von der Besiedlung eines Teilgebietes der heutigen Probstei. In diesem Jahr belehnt Graf Albert den Marquard von Stenwer aus dem Dorfe Steinwehr am heutigen Nordostsee-Kanal mit der Wiese von Suarzepouc bis zum Flusse Carzniz und dem angrenzenden Walde (siehe Urkunde Nr. I).
In der Wiesenniederung, heute mit Salzwiesen bezeichnet, beginnt Marquard mit der Besiedlung. Edelleute kommen ins Land und legen ihre Adelshöfe (Curien) und Dörfer an.
Hart östlich des Barsbeker Sees entsteht auf einem Hügel die erste Kirche (Kapelle). Um 1232 berichtet die Urkunde Nr. XII des Lübecker Bischofs Johann von der Seelsorge, dem Bann und der Schenkung des Altars mit allem Recht des Archidiakonats in Wisch (mit Wisch ist die Salzwiese gemeint, nicht das heutige Dorf Wisch) und dem angrenzenden Walde. Im Erdreich des Kapellenhügels wird um 1820 der Taufstein der untergegangenen Kapelle gefunden.
Der Name Marquard von Stenwer wird später in keiner weiteren Urkunde erwähnt. Wenige Jahre nach seinem Siedlungsbeginn ändern sich die politischen Verhältnisse in Holstein. Der Schauenburger Graf Adolf IV. - Sohn des vertriebenen Adolf III. - kehrt 1225 nach Holstein zurück, schlägt 1227 in der Schlacht von Bornhöved den Dänenkönig Waldemar II. und gewinnt Holstein, Stormarn und Wagrien für das Deutschtum zurück.

, am 29. September, gründet Graf Adolf IV., der neue Schauenburger Landesherr von Holstein, das Kloster in Preetz erneut. Er bestätigt in seiner Stiftungsurkunde nicht nur den bisherigen Klosterbesitz - mit dem Land der Walddörfer um Preetz -, sondern erweitert diesen Besitz mit dem "Stenwerschen Gebiet" aus der Urkunde Nr. I.
Von nun an betreibt das Kloster die Kolonisation in diesem Gebiet, kommt aber erst nach und nach durch Kauf und Schenkung in den Besitz der vom Adel angelegten Hufen (Höfe) und Dörfer. So erwirbt das Kloster von "Tymmo von der Porsvelde" um 1240-1250 Hufen in Wendtorf und Stein (siehe Urkunde Nr. XVII).

ist im Bocholtschen Register zu lesen: "Klosterprobst Friedrich (Amtszeit 1246 bis 1251) legte Höfe und Dörfer an und schenkte den Kolonisten das Erbpachtrecht." Hufner und Kätner sind Erbpächter, sie zahlen dem Kloster einen verhältnismäßig geringen Grundzins. So entsteht in dem Gebiet, das später mit "Probstei" (1484 Prawestie) bezeichnet wird, in der Zeit, da die Bauern im adligen Güterdistrikt zu Leibeigenen werden, ein stolzes, selbstbewußtes Bauerntum mit einer eigenständigen bäuerlichen Kultur, die ihren Ausdruck findet in Sprache und Lebensweise, Hausbau und Hauseinrichtungen, Tracht und Tänzen, Feier- und Alltagsbrauchtum.

, am 1. September, werden die Herzogtümer Schleswig und Holstein preußische Provinz. Damit tritt die preußische Justiz- und Verwaltungsordnung in Kraft. Von nun an hat die seit 6½ Jahrhunderten bestehende Verbindung zwischen der Probstei und dem Kloster Preetz, die sich zum Segen der Probstei ausgewirkt hat, ein Ende.